Was macht der Hamburger Verfassungsschutz? Dessen Chef Torsten Voß diskutierte auf der Alstertaler Business Lounge über seine Aufgaben und die Gefahren für die Demokratie.

Torsten Voß war über 30 Jahre bei der Polizei, war Büroleiter von vier Innensenatoren, bevor es ihn zum Verfassungsschutz zog. „Tatsächlich ist das ein Beruf, den man ganz normal erlernen kann“, erklärte er auf der Business Lounge. „Drei Jahre Studium als Verfassungsschutzbeamter im gehobenen Dienst oder zweieinhalb Jahre im mittleren Dienst. Da ist nicht der Spion, der einen an der Ecke anspricht. Nein, man kann es ganz normal erlernen und ist dann nicht diplomierter Spion, sondern diplomierter Verwaltungswirt.“ Dennoch unterscheidet sich der Job als Verfassungsschützer durchaus von x-beliebigen Verwaltungswirten, wie Torsten Voß ausführt: „Mein Hauptthema ist, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu schützen. Der Verfassungsschutz ist schon die erste Verteidigungslinie unserer Demokratie. Wir dürfen weit vor der Polizei Menschen überwachen, die Extremisten sind, wir dürfen deren Telefone abhören, deren soziale Netzwerke überwachen, wir dürfen sie observieren. Man muss aber eins wissen: Extremismus ist keine Straftat! Wenn sich viele wundern, warum Islamisten auf offener Straße Korane verteilen und Links- und Rechtsextremisten gegen Deutschland propagieren – das ist erst mal keine Straftat. Der Verfassungsschutz ist in erster Linie dafür zuständig, zu schauen, was haben die vor? Wenn es dann Richtung Straftat geht, z.B. Islamisten, die Anschläge planen, sind wir das sogenannte Frühwarnsystem und unsere Informationen geben wir dann an die Polizei.“ Doch der Verfassungsschützer beschrieb auch eine weniger bekannte Aufgabe: „Wir sind tatsächlich für die Abwehr von Spionage zuständig. Wenn ein Konkurrenzunternehmen ein anderes ausspioniert, ist das die Zuständigkeit der Polizei. Aber wenn es eine Spionage von fremden Mächten ist, sind wir zuständig und da beraten wir auch die Hamburger Wirtschaftsunternehmen, wie sie sich am besten vor Spionageangriffen schützen können.“
Trotz dieser wichtigen Rolle leiden die Verfassungsschützer unter einem schlechten Image, nicht nur im realen Leben, sondern auch auf den Bildschirmen. So erzählt Torsten Voß: „Ich bin mit einer Polizeibeamten verheiratet, und wenn wir Tatort gucken, sagt sie: ‚Gleich kommt der Böse, das seid ihr‘.“

Mehr Bilder von der Business Lounge und ihren prominenten Gästen gibt’s auf der Facebook-Seite des Alstertal Magazins!

Bild: Torsten Voß im Gespräch mit Verleger Wolfgang E. Buss. (Foto:  Kai Wehl)

 


 

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