Die Hamburger Singvogelpopulation geht zurück. Eine Leserin gab daraufhin den räuberisch agierenden Krähenschwärmen eine Mitschuld an der Situation. Wir haben den Verdacht geprüft.

Die Hamburger Vogelpopulation befindet sich im Wandel. Zwar ist der Gesamtbestand der heimischen Brutpaare in den vergangenen zehn Jahren um 35.000 auf 450.000 Stück gestiegen. Erhöht hat sich allerdings auch Anzahl der gefährdeten Arten.Laut der Roten Liste gefährdeter Brutvögel, einem umfangreichen Monitoring der Behörde für Umwelt und Energie, gilt inzwischen jeder vierte der hier brütenden Vögel mindestens als gefährdet.

Während sich die Population des Haussperlings innerhalb der letzten 15 Jahren nahezu halbiert hat, sind andere Arten wie der Brachvogel oder die Zwergseeschwalbe bereits vollständig aus der Hansestadt verschwunden.

Krähen statt Vogelgezwitscher

Als Reaktion auf unseren Artikel meldete sich eine Leserin bei uns, die vermutete, einen Mitverursacher der dramatischen Lage zu kennen: „Ich wohne schon lange hier in Volksdorf und kann beobachten, wie Krähen die Singvögel angreifen und versuchen, deren Junge zu töten.“

Statt Vogelzwitschern höre man meist nur noch die Krähen, die zu allem Überfluss auch noch Briefkästen und Bänke verschmutzen würden.

Was ist dran an dieser Vorstellung? Ist es tatsächlich möglich, dass die scheuen Singvögel stückweise durch aggressive Krähenschwärme vertreiben werden? „Nein“, sagt Jan Dube von der Behörde für Umwelt und Energie auf Anfrage unseres Magazins. „Rabenkrähen sind sogenannte Nahrungsopportunisten, die das fressen, was sie am leichtesten bekommen können.“ Dass dazu neben überfahrenen Vögeln und weggeworfenen Lebensmitteln auch schwach geschützte Nester kleinerer Vögel zählen, sei Teil des biologischen Kreislaufs.

Dem pflichtet auch Marco Sommerfeld bei, der beim NABU Hamburg unter anderem als Referent für Vogelschutz tätig ist: „Zwar machen wir uns aus emotionaler Sicht Sorgen wenn Jungvögel von Elstern oder anderen Krähenvögeln getötet werden, doch aus dem Blickwinkel des Artenschutzes besteht deshalb keine Gefahr für deren Bestand.“ Ohnehin würden Rabenvögel eher Vogelarten erbeuten, die sehr häufig vorkommen und deshalb nicht in ihrem Bestand bedroht seien.

Wer sich anpasst, gewinnt

Klar ist, dass die problematische Lage der Hamburger Singvogelpopulation  in erster Linie mit dem menschengemachten Strukturwandel einhergeht. Wohnungs- und Ackerbau sorgen dafür, dass sich die Lebensräume der einzelnen Vogelarten immer stärker verändern oder gar vollständig verloren gehen.

Jene Arten, die Probleme mit der Anpassung haben, werden früher oder später vor Probleme gestellt. Wer sich hingegen anpasst, gewinnt: „Vögel, die relativ unspezialisiert bezüglich ihres Lebensraumanspruches sind, zeigen stabile Individuenanzahlen oder sogar eine Zunahme ihres Bestandes“, erklärt Marco Sommerfeld dazu.

Um dennoch kleinere Singvogelarten zu unterstützen, rät der NABU-Referent für Vogelschutz zu einem naturnahen Garten mit einer möglichst großen Vielfalt an Pflanzen, die wiederum die lebensnotwendigen Insekten anlocken: „Hier werden es viele Vögel schaffen, trotz Prädationsdruck, ihre Jungen groß ziehen zu können.“

 


 

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