Seit Juni haben die E-Scooter die deutschen Städte erobert. Der eine liebt, der andere verflucht sie. Doch welche Vor- und Nachteile haben die Roller wirklich? Die Redaktion diskutiert.

PRO , Kimberley Schulz, Redakteurin

Zugegeben, als ich die ersten E-Scooter durch die Straßen flitzen sah, stand ich dem Ganzen eher kritisch gegenüber. Man hörte von vielen Unfällen, nächtlichen Fahrten von Betrunken und generell war eher mehr Kritik, als Lob im Umlauf.

Als dann aber kein Rad mehr am Fahrradverleih zur Verfügung stand, wagte ich den Selbstversuch und war sofort begeistert. Für kurze Strecken ist eine Fahrt mit dem E-Scooter ideal und macht wirklich sehr viel Spaß.

Ich fühlte mich „modern mobil“ und trotz nicht all zu hoher Geschwindigkeit unglaublich schnell. Ein Vorteil ist es beispielsweise, dass ich den Roller an einer beliebigen Stelle abstellen kann und mir, besonders in stressigen Situationen, den Weg von Haltestelle zur Haustür spare und somit Zeit gewinne, die ich sonst für den Fußweg benötigt hätte.

Durch die App sehe ich, wo der nächste Roller steht und kann direkt losfahren, ebenso einfach beende ich die Fahrt auch wieder. Kein lästiges Warten auf den Bus, wenn ich eh in Zeitnot bin.

Erst letztens wählte ich den E-Scooter und war wirklich dankbar, nicht bei Gegenwind die leichte Straßensteigung erklimmen zu müssen und zügig und pünktlich mein Ziel zu erreichen. Bei Strecken im näheren Umfeld ist es auch finanziell kein großer Unterschied zu einem Bahn- oder Busticket, das ich mir eh hätte kaufen müssen.

Ich habe Freude an gelegentlichen elektrischen Fahrten dieser Art und komme meist noch gut gelaunter an meinem Ziel an, weil mein Weg mir Spaß bereitet hat. Ich bin eine achtsame Fahrerin und war nach kurzer Eingewöhnung sehr sicher auf den Straßen unterwegs, mit dem Fahrrad sehe ich ähnliche Gefahren.

Contra, Jonas Bormann, Redakteur

Als die E-Scooter Ende Juni auf den Straßen der Hamburger Innenstadt auftauchten, wusste man nur wenig über die elektrisch betriebenen Tretroller. Einzig die Versprechen der Hersteller ließen aufhorchen: Von einer neuen Mobilitätsalternative war die Rede – kostengünstiger, bequemer und nachhaltiger als andere Verkehrsmittel.

Heute, knapp drei Monate später, ist von den Vorschusslorbeeren nicht mehr viel übrig. Im Gegenteil: Mit einer Startgebühr von einem Euro und zusätzlich 15 bis 20 Cent pro gefahrener Minute sind die E-Scooter deutlich teurer als Leihräder und je nach Länge der Strecke sogar teurer als mancher Carsharing-Anbieter.

Und nachhaltig? Sind die Leihroller auch nicht wirklich. Lieferwagen, die die Roller einsammeln, und die aufgeladenen Modelle anschließend wieder im Stadtgebiet verteilen, ziehen die CO2-Bilanz der vermeintlichen Öko-Wunder ebenso sehr nach unten wie deren Lebensdauer.

Wie Zahlen eines US-amerikanischen Leihanbieters zeigen, hielten die E-Scooter dort im Schnitt nur 29 Tage (!). Zwar beteuern die Anbieter in Deutschland, dass die Scooter hier mehr als zwölf Monate nutzbar seien, doch auch diese Zeitspanne ist verglichen mit der eines Fahrrads und den entstehenden Emissionen bei der Materialgewinnung nur schwer zu vermitteln.

Also: Gut möglich, dass es bequemer ist, hin und wieder mal zum Roller zu greifen, statt fünf Minuten länger zu Fuß zu gehen und dass es generell mehr Spaß macht, mit ihnen durch die Stadt zu sausen. Das war es dann aber auch. Als ernstzunehmende Mobilitätsalternative taugen die E-Scooter nicht.


 

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