Vorurteile und ihre Wirkung. Darüber spricht der Fuhlsbüttler Schauspieler Max Herbrechter im Torhaus Wellingsbüttel. Seine Frau Aida Sikira spielt dazu passende Musik.

Grundlage ist ein Buch von Schauspieler Sir Peter Ustinov der sich viel mit Vorurteilen beschäftigt hat und sogar ein Institut gründete, das Vorurteile erforscht und bekämpft. Wir sprachen  mit dem Schauspieler in einem Fuhlsbüttler Café über Vorurteile.

ALSTERTAL PLUS: Wie kam es zu der Lesung dieses Buches?
Max Herbrechter: Schon als Kind fand ich Peter Ustinov im Fernsehen beeindruckend, zum Beispiel als Spartacus, ohne genau zu wissen wer dieser Schauspieler war. Meine Vorliebe für ihn ist geblieben, vor allem wegen seines Humors! Ich habe einige seiner Bücher gelesen. 2004 ist dann „Achtung! Vorurteile“ erschienen. Ein Buch, das er selbst als sein Vermächtnis und sein Wichtigstes bezeichnet hat. Mit meiner Frau Aida Sikira, mit der ich schon Schirach-Abende gemacht habe, habe ich aus diesem Grund beschlossen es auf die Bühne zu bringen. „Lass uns nach Schirach mal was Heiteres machen“, hab ich gesagt. (lacht) Das ist es aber nicht nur, denn Ustinov kann auch sehr „böse“ sein. Somit haben wir eine Konzertlesung erarbeitet: Zu den Texten aus „ACHTUNG! VORURTEILE, spielt Aida klassische Stücke u.a. von Beethoven, Gershwin und Chopin.

Ich habe mich in den Begriff Vorurteil eingelesen und festgestellt, dass der Übergang zum Rassismus fließend ist …
Das stimmt und so beschreibt es auch Ustinov. Oft sind es ja nur die kleinen Dinge wie „der Pole klaut und der Deutsche ist spießig“. Aber es setzt sich halt in den Köpfen der Menschen fest. Ich finde Lesungen gut, die nicht belanglos dahinplätschern, sondern die einen zum Nachdenken anregen. Und da liefert Ustinov genug Vorlagen. So schreibt er über den Irak Krieg, den George W. Bush mit Tony Blair gemeinsam anzettelte, dass dieser Krieg auf einer einzigen Lüge beruhte: Der Besitz einer Atombombe! Aber die Irakis hatten nichts Derartiges, wie wir jetzt ja wissen. Somit spannt Ustinov den Bogen von großen Katastrophen, bis hin zu kleineren Anekdoten. Alle geprägt von Vorurteilen.

Vorurteile sind schwer zu bekämpfen. Oft basieren sie dabei nicht einmal auf eigenen Erlebnissen, sondern auf dem Gerede anderer Personen. Was kann man dagegen tun?
Bildung. Eine gewisse Allgemeinbildung ist so wichtig! Im Rahmen der WM 2006 gab es unter Schülern eine Umfrage. „Wer gewinnt, Holland oder die Niederlande?“ Einige Schüler haben die Frage beantwortet und getippt. Oder noch schlimmer, Willy Brandt war der Führer aus dem 2. Weltkrieg. Gute Bildung, das Wissen über andere Menschen hilft, Vorurteile gar nicht erst aufkommen zu lassen!

Was nimmt der Gast nach dem Abend mit nach Hause … ist er geknickt?
Bloß nicht. Er soll einen schönen Abend erleben, der ihn hoffentlich bereichert, und wenn wir Glück haben, auch ein bisschen zum Nachdenken anregt! Kai Wehl

TIPP: LESUNG UND KONZERT

Am 24. Oktober um 19:30 Uhr im Torhaus Wellingsbüttel. Max Herbrechter interpretiert am Geschichten, Essays und Anekdoten aus Sir Peter Ustinovs Buch Achtung! Vorurteile. Seine Frau und Pianistin Aida Sikira spielt passend dazu Werke von Gershwin, Bach und Chopin als Hommage an Ustinov. Karten für 21€/19€/erm. 10€ gibt es im Torhaus Wellingsbüttel und an der Abendkasse. Mehr Infos auf wwwkulturkreis-torhaus.de

„Achtung! VORURTEILE“ (2004) von Sir Peter Ustinov ist u.a. als Hörbuch bei Hoffmann und Campe für 6,99€ erhältlich.

 

Foto oben: Das Ehepaar Aida Sikira und Max Herbrechter präsentieren einen lustig nachdenklichen Abend im Torhaus Wellingsbüttel.  © Ruth Kappus

 


 

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