Den Umbauarbeiten beim „Hospital zum Heiligen Geist“ in Poppenbüttel fällt auch das Schwimmbad der Physiotherapie zum Opfer. Eine Katastrophe für Senioren, Kranke und Behinderte, die einfach kurzfristig vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.

Der Sport im Wasser ist das einzige, was ihr hilft, um ihre Bewegungseinschränkungen in Schach zu halten, erzählt uns eine Parkinson-Patientin, die seit Jahren an der externen Wassergymnastik-Gruppe am Hospital zum Heiligen Geist teilgenommen hat. So wie ihr geht es vielen der Teilnehmer, die teilweise in der Senioreneinrichtung leben und teilweise aus der Nachbarschaft kommen und ihre neurologischen oder physischen Einschränkungen mit Sport im Wasser lindern. Daher war es ein Schock für alle Beteiligten, als ihnen im September in einem schlichten Brief mitgeteilt wurde, das Schwimmbad würde Ende Dezember schließen.

Natürlich, die Räumlichkeiten waren marode und hoffnungslos veraltet, geben die Mitglieder zu, doch im näheren Umkreis gibt es keine vergleichbaren Einrichtungen, und bei den mit viel Tamtam und Bürgermeisterbesuch eingeläuteten Umbaumaßnahmen ist kein neues Becken eingeplant. In dem Brief wies der Vorstand auf die reguläre Physiotherapie der Einrichtung hin. Diese jedoch, erklären uns die Betroffenen, könne die Wassergymnastik keinesfalls ersetzen.

In dem Brief wurden außerdem zwei Alternativadressen genannt – eine in Eimsbüttel, eine in Barmbek-Süd. Diese sind natürlich einerseits für die teilweise schwer in ihrer Mobilität eingeschränkten Betroffenen kaum zu erreichen. Einer Poppenbüttlerin wurde nach einem Anruf dort außerdem mitgeteilt, dass für ihre Diagnose diese Gruppe gar nicht geeignet sei.

Wir  fragten die Verantwortlichen beim Hospital zum Heiligen Geist, ob man wenigstens im Voraus mit den vorgeschlagenen Gruppen Kontakt aufgenommen habe, um zu eruieren, ob sie überhaupt von Kapazität bzw. Angebot ihre ehemaligen Kunden aufnehmen könnten. Außerdem erkundigten wir uns, wie generell die Auslastung des Schwimmbades aussah und vor allem, warum die Betroffenen erst so kurzfristig über die Schließung informiert wurden. Daraufhin erhielten wir folgendes Statement des HzHG-Vorstandsvorsitzenden Frank Schubert, das die meisten unserer Fragen gekonnt umschiffte: „Wir hatten keine Entscheidungsfreiheit, denn der technische Zustand lässt uns keine andere Wahl als die zeitnahe Schließung des Schwimmbades. Wir haben uns bis zuletzt Gedanken gemacht und alle Optionen, inklusive öffentlicher Förderungen, geprüft. Als gemeinnützige Stiftung dürfen wir keine Investitionen tätigen, von den wir wissen, dass sie im Rahmen des Neubaukonzeptes keine tragfähige Amortisation haben werden.“

Keine Antwort ist auch eine Antwort. Und selbstverständlich haben die über 167 geplanten Wohnungen eher eine „tragfähige Amortisation“ als ein Schwimmbecken. Dennoch müssen sich die Verantwortlichen zum einen fragen lassen, ob dieser elementare Bestandteil der Senioren-Physiotherapie in einer „Kleinen Stadt für Senioren“, wie sich das HzHG gerne nennt, so verzichtbar ist. Und zum anderen, ob es sehr christlich ist, Senioren und anderen stark in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen so kurzfristig mitzuteilen, dass ihnen ein wichtiger Teil ihrer Lebensbewältigung verloren geht.

 


 

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