Am 6. Dezember beschäftigt sich Maria Hartmann im Wellingsbütteler Torhaus mit dem Leben und Wirken von Erich Kästner. Wir haben die Schauspielerin vorab zum Interview getroffen.

Alstertal-Magazin: Wann haben Sie sich das erste Mal mit dem Wirken von Erich Kästner beschäftigt?

Maria Hartmann: Erich Kästner ist mir, wie wahrscheinlich vielen Menschen, schon im Kindesalter begegnet. „Das fliegende Klassenzimmer“ oder „Emil und die Detektive“ etwa sind Klassiker der Kinderbuchliteratur. Dass Kästner aber ein Autor ist, der für Erwachsene mindestens so aufregend ist, habe ich vor vielen Jahren im Zusammenhang mit der Erarbeitung eines Lyrikprogramms erfahren, das zum großen Teil aus seinen Gedichten bestand. Und damit war die Neugier geweckt und die literarische Forschungsreise begann.

Sie bezeichnen die enorme Popularität Kästners als Fluch und Segen zugleich. Warum?

Die Gefahr ist ja immer, dass man glaubt, einen populären Künstler zu kennen und doch hat man oft nur ein Klischee im Kopf. Es geht darum, diese Klischees zu hinterfragen, neue Blickwinkel zu schaffen und Teile seines Werkes in den Fokus zu rücken, die möglicherweise weniger sprichwortartig vereinnahmt sind. Und darum Wohlbekanntes neu zu lesen.

Haben Sie ein Lieblingszitat von Erich Kästner?

Ja, das habe ich: „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es.“ Was für ein aktueller Satz!

Was hebt Erich Kästner von anderen Schriftstellern seiner Zeit ab?

Sicherlich ist die Spannweite seines Werkes enorm. Ein Schriftsteller, der mit seiner Ernsthaftigkeit sowohl von Kindern, als auch von Erwachsenen verstanden wird und alle Altersgruppen berührt, ist nicht so oft zu finden. Dann ist es bemerkenswert, dass Kästner einer der wenigen intellektuellen und prominenten Gegner des Nationalismus war, der in Deutschland geblieben ist. Diesen Aspekt gilt es zu beleuchten.

Sie haben es bereits gesagt, Erich Kästner war ein hochpolitischer Mensch. Wie, glauben Sie, würde er die heutigen politischen Verhältnisse in Deutschland bewerten?

Ich glaube, bei seinem hohen politischen Bewusstsein, würde er die Brisanz der heutigen Entwicklung benennen. Wachsender Antisemitismus etwa oder das erschreckende Anwachsen der AfD würde er als Alarmzeichen eines gefährlichen Weges klar erkennen.

Warum braucht es Menschen wie Erich Kästner in unserer Gesellschaft?

Aus dem eben genannten Grund. Aber ebenso sehr wie politische Mahner brauchen wir Menschen, die „trotz allem“ Humor als eine humanistische Notwendigkeit begreifen

Veranstaltungshinweis

Die Hamburger Schauspielerin Maria Hartmann stellt am 6. Dezember ab 19.30 Uhr im Torhaus Wellingsbüttel, Wellingsbüttler Weg 75B, das Leben und Werk von Erich Kästner vor. Karten gibt es im Vorverkauf unter Tel. 040 536 12 70. Mitglieder zahlen 17, Gäste 19 Euro. Für Studenten liegt der Eintritt bei 10 Euro.


 

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