Ist die gesetzliche Vorschrift automatisch auch die sinnvollste Lösung? Diese Frage werfen derzeit  die verkehrsbehördlichen Umstrukturierungen am Volksdorfer Weg auf. Der Heimatverein Unser-Sasel e.V. sieht die Sicherheit von Fahrradfahrern in Gefahr.

Im Straßenverkehr treffen mit Fußgängern, Fahrrad- und Autofahrern gleich drei Interessengruppen aufeinander, deren Rechte gesetzlich klar definiert sind. Dass das Gesetz automatisch auch die sicherste Lösung darstellt, gilt in der Regel als selbstverständlich, aber was ist, wenn die Legislative mal daneben liegt?

Das zumindest behaupten die Verantwortlichen des gemeinnützigen Heimatvereins Unser-Sasel e.V., wenn es um die verkehrsbehördlichen Umstrukturierungen rund um den Saseler und Volksdorfer Weg geht.

Jahrelang profitierten Fahrradfahrer auf besagter Strecke zwischen Farmsener Landstraße und Meiendorfer Mühlenweg von einer sogenannten „Servicelösung“, die den Radlern die Mitbenutzung des angrenzenden Gehweges gestattete.

Fahrradfahrer als Teil einer Güteabwägung?

Seit Mitte November ist damit Schluss. In einer Begründung der Straßenverkehrsbehörde des Polizeikommissariat 35 an den Alstertaler Regionalausschuss des Bezirksamts Wandsbek heißt es: „Eine Überprüfung […] ergab, dass die vorhandenen Gehwege weitestgehend nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich der geforderten Maße entsprechen.“ Des Weiteren sei die Fahrbahn übersichtlich und befinde sich insgesamt in einem guten Zustand.

Tatsächlich sind Gehwege unter einer Breite von zwei Metern laut Gesetzgeber allein Fußgängern und Fahrradfahrern bis zum vollendeten 10. Lebensjahr vorbehalten. Wo liegt also das Problem des Saseler Heimatvereins?

„Die Entscheidung ist eine Güteabwägung der Politik“, prangert der Vereinsvorsitzende Norbert Bauer im Gespräch mit dem Alstertal Magazin an.

Demnach hätte es durchaus andere Möglichkeiten gegeben, die Situation zu lösen. Beispielsweise, indem man durch konsequentes Zurückschneiden der angrenzenden Hecken und die Entfernung des Begleitgrüns den Gehweg auf eine Gesamtbreite von über zwei Metern vergrößert hätte.

Eine Maßnahme, die allerdings wohl sehr teuer geworden wäre. „Man hat es sich einfach gemacht“, sagt Bauer dazu. „Wir möchten die Politik anstoßen, sich mit der flexiblen Umsetzung vor Ort zu beschäftigen. Nicht jedes Gesetz ist auf jeden Ort universell anwendbar.“

Vorwürfe des Heimatvereins – Behörde verweist auf „sicherste Variante“

Ein Dorn im Auge ist dem Verein vor allem die Enge der Straße, die einen ordnungsgemäßen Überholvorgang seitens der Autofahrer nicht garantieren könne. Aber ist dem wirklich so?

Mit den Vorwürfen konfrontiert, gibt die Straßenverkehrsbehörde an, mit der Verlegung des Radverkehrs auf die Fahrbahn die sicherste Variante gewählt zu haben. Demnach sei es auf den überprüften Gehwegen, zu denen unter anderem auch der Streckenabschnitt zwischen Wellingsbütteler Weg und Poppenbütteler Landstraße zählt, zuletzt vermehrt zu Verkehrsunfällen mit Radfahrerbeteiligung gekommen, die die Aufhebung der „Servicelösung“ zusätzlich gestützt hätten.Wo genau die Unfälle passierten, blieb dabei offen. 

Welche Seite nun tatsächlich im Recht ist, können wohl nur jene Menschen beantworten, die sich künftig an die Neuauslegung der Verkehrsordnung gewöhnen müssen. Sicher scheint nur, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.


 

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