Dieses Abenteuer wird die Familie von Sebastian und Svende-Catleen Pitschner-Finn aus Duvenstedt vermutlich nie vergessen – vor sieben Monaten sind sie aufgebrochen, um die Welt zu entdecken.

Ein Plädoyer für die Elternzeit – Unter der Woche beim Arbeitgeber in Düsseldorf und am Wochenende zuhause in Hamburg. Wie Millionen anderer junger Familienväter musste auch Sebastian Pitschner-Finn jahrelang den Spagat zwischen Job und Familie meistern – bis zum Frühjahr 2019. Damals reichte der gebürtige Wattenscheider nämlich einen Antrag auf 14 Monate Elternzeit ein, ohne sich von der Aussicht finanzieller Einbußen und möglicher beruflicher Nachteile abschrecken zu lassen. Ein großer Schritt, der für den 39-Jährigen laut eigener Aussage dennoch einfach war, „weil ich es wirklich wollte.“
Doch statt die Zeit zuhause in Duvenstedt zu verbringen, entschied sich die Familie dazu, noch einen Schritt weiter zu gehen. Eine Weltreise sollte es sein, 12 Monate lang. Zusammen mit den Zwillingen Lasse und Barne (6 Jahre) und Tochter Smilla (9 Monate). Und so ging es im Juli 2019 los in Richtung New York – mit dem Mietwagen durch die USA und anschließend nach Kanada in die berühmten Rocky Mountains. Mexiko, Panama, Guatemala. Mal länger, mal kürzer, mal ein oder zwei Zimmer und vor allem: Jede Menge zu sehen.
Ihre Reise dokumentiert die Familie in Form von Blogs und Videotagebüchern, die sie auf Facebook und YouTube veröffentlicht. „Papi lernt fliegen“ heißt das Projekt, das sich insbesondere an jene Väter richtet, die genauso wie einst Pitschner-Finn

Fotos: Privat // Die Zwillinge Lasse und Barne auf dem Athabasca Gletscher in den Rocky Mountains.

überlegen, Gebrauch von der Elternzeit zu machen. Sich den alltäglichen Herausforderungen eines Familienvaters zu stellen, denen man sonst vielleicht einfach aus dem Weg gegangen wäre und so langsam aber sicher „das Fliegen zu lernen“ – darum geht es der Familie. Bereits nach sieben Monaten ziehen sie eine positive Bilanz: „Man unterhält sich viel öfter und spricht sich aus, wenn es mal Streit gibt.“
In Chile, wo sich die Duvenstedter inzwischen aufhalten, bekommt der 39-Jährige schon bald ein Medikament gegen seine Multiple Sklerose Erkrankung verabreicht, das ihm auch die nächsten Monate eine beschwerdefreie Weiterreise ermöglichen soll. „Auch das ist erst einmal wieder eine Herausforderung, Fliegen zu lernen, Vertrauen darin zu haben, dass alles klappt.“
Seinen Schritt, in die Elternzeit zu gehen, hat er bis heute nicht bereut. „Ich möchte Väter, die überlegen in Elternzeit zu gehen, nicht dazu drängen, es mir nachzumachen, sagt der dreifache Familienvater. „Man sollte sich nur darüber bewusst sein, dass es ein großes Privileg ist, diese Möglichkeit überhaupt zu haben.“

 


 

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