Freitag, 07. August 2020
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Wandsbeker Bezirksversammlung bedauert die Schließungen von Karstadt/Kaufhof

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Der Bezirk Wandsbek ist mit zwei Warenhäusern betroffen: Am Wandsbeker Markt und im AEZ.
Ein großes Segment des Deutschen Einzelhandels ist zunehmend in Bedrängnis geraten: Die Warenhäuser! Nachdem die Politik, insbesondere Links-Grün, über Jahre den sogenannten „Konsumterror“ kritisierten, kommt nun die Ernüchterung: Uups, das sind ja Arbeitsplätze!

Und plötzlich herrscht „große Einigkeit“ und kullern dicke Krokodilstränen“ im Hauptausschuss der Wandsbeker Bezirksversammlung: Fast alle dort vertretenen Fraktionen bedauern, dass die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH Deutschland die beiden Karstadt Standorte Wandsbek Markt und Poppenbüttel mit auf die Streichliste genommen hat. Beide Standorte sind bedeutend für die Entwicklung der bezirklichen Zentren und am jeweiligen Standort städtebaulich prägend. 

Doch das wussten Fachleute seit Jahren! Trotzdem ätzten viele Abgeordnete weiter gegen Autos und Sonntagsöffnung. Und nun, nach dem alles zu spät ist, setzt das Jammern ein. Und Amazon bedankt sich still und heimlich! Übrigens: Während die Warenhäuser seit Jahren zu den Verlierern gehören, sind Amazon & Co. die großen Gewinner. Mit Milliarden-Gewinnen betreibt der Online-Handel sein Geschäft aus dem „Halteverbot“ mit Warnblinker oder „Kurz-Halten“ auf Fahrradwegen und macht so Amazon-Gründer Jeff Bezos zum weltweit reichsten Mann der Welt! Und die Wandsbeker Politik schaut seit Jahren zu und geht einen anderen Weg.

Frank Schwerin, wirtschaftspolitischer Sprecher der Wandsbeker SPD-Fraktion: „Wir appellieren an die Beteiligten, alles zu versuchen, um die Schließung des Karstadt-Warenhauses in Wandsbek und der GALERIA im AEZ Poppenbüttel abzuwenden und ein zukunftsfähiges Konzept für die beiden Standorte zu liefern. Es geht für den Bezirk um den Erhalt von rund 200 Arbeitsplätzen und den Wegfall von großen Einzelhandelsangeboten für die Bürgerinnen und Bürger von Wandsbek und Poppenbüttel.“
Julia Brinkmann, Regionalsprecherin Kerngebiet und stellvertretende Vorsitzende der Wandsbeker Grünen-Fraktion: „Wir GRÜNE wollen uns für den Erhalt der Karstadt-Standorte am Wandsbeker Markt und im Einkaufszentrum Alstertal einsetzen. Wir fordern die zuständige Fachbehörde und das Bezirksamt auf, Möglichkeiten für den Fortbestand der Standorte zu prüfen und die hierfür notwendigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Den möglichen Verlust von 200 Arbeitsplätzen können wir nicht akzeptieren.“

ANDRÉ SCHNEIDER Vorsitzender der Bezirksversammlung
ANDRÉ SCHNEIDER (SPD), Vorsitzender der Bezirksversammlung

In einem interfraktionellen Antrag bitten die Fraktionen von SPD, Grünen, CDU, Die Linken und FDP die zuständige Fachbehörde und das Bezirksamt, ihren Einfluss bei
den Verhandlungen zwischen Karstadt-Kaufhof und den Immobilieneigentümern geltend zu machen, um wirtschaftliche Rahmenbedingungen für den Erhalt beider Standorte sicherzustellen und auszuloten welche Möglichkeiten es gibt die Standorte zu erhalten.
Wer die Einzelhandelsstrukturen und Hintergründe etwas besser kennt, kann solche Sätze nur mit „naiv“ bewerten.
Eine weitere Bitte geht an das Denkmalschutzamt und den Oberbaudirektor, sie werden nachdrücklich gebeten die Pflichten des Eigentümers zum Erhalt des Denkmals Karstadt-Kaufhaus einzufordern und sicherzustellen. Sollte eine Schließung nicht abwendbar sein, sollten die Flächen möglichst rasch wieder genutzt werden, um einen Leerstand zu vermeiden.
Für den Fall, dass die Corona-Pandemie und die dadurch bedingten Mindereinnahmen ursächlich für die Schließungsentscheidung sind, sollen die Möglichkeiten ausgelotet werden, ob die Finanzbehörde entsprechende Hilfsprogramme trotz des laufenden Schutzschirmverfahrens für das Unternehmen zur Anwendung kommen lassen könnte. Letzteres soll an den weitest möglichen Erhalt der Arbeitsplätze bei Karstadt-Wandsbek und Galeria-Kaufhof Poppenbüttel geknüpft sein, so die Fraktionen in einer Verlautbarung.
Offenbar haben noch nicht alle registriert, dass tausende andere Unternehmen in eine schwere Krise getrieben wurden. Das Unternehmen Karstadt/Kaufhof ist durch seine Markenbekanntheit nur in aller Munde.

 

Hintergrund:
Karstadt-Galeria-Kaufhof kündigte am 18.6.20 die geplante Schließung von etlichen Warenhäusern an. Von 172 sollen 62 Warenhäuser in Deutschland schließen. Mit auf der Streichliste stehen die beiden im Bezirk Wandsbek beheimaten Standorte am Wandsbeker Markt und im Alstertal Einkaufszentrum in Poppenbüttel.
Die Schließung beider Standorte wäre ein großer Verlust für die Einkaufsstandorte und dramatisch für die zahlreichen betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Daher ist unser Ziel, die Standorte zu erhalten.
Das Wandsbeker Karstadt-Haus hat eine lange Tradition. Bereits 1892 stand schon am selben Ort ein kleines Kaufhaus „Ernst Karstadt“. Dieses Kaufhaus war das zweitälteste Kaufhaus Deutschlands und das erste von Ernst Karstadt. Im Jahr 1900 übernahm Rudolph Karstadt 13 Geschäfte seines hoch verschuldeten Bruders Ernst, darunter auch Karstadt Wandsbek.
Das heute am Wandsbeker Markt stehende Gebäude wurde 1921/22 nach den Plänen des Regierungsbaumeisters C.G. Bensel gebaut und ist städtebaulich prägend. Es steht in Teilen unter Denkmalschutz. Eigentümer des Gebäudes ist die Union Investment, dem u.a. auch das Einkaufszentrum Wandsbek Quarree gehört. Die Einkaufsstraße Wandsbek Markt, mit Karstadt und dem Einkaufszentrum Wandsbek Quarree, sind nach dem Ordnungsplan Zentrale Standorte ein B1 – Bezirkszentrum.
Die Galeria ist traditionell mit dem Alstertal Einkaufszentrums eng verbunden. Das Alstertal Einkaufszentrum wurde 1970 in der Grundform des Mall-Centers – zwei Magneten (ein Warenhaus links, ein Warenhaus rechts), dazwischen die überdachte Mall mit Geschäften, errichtet. (Quelle: Bezirksversammlung)

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