Freitag, August 14, 2020
Start Natur Kahlhieb an der Lemsahler Landstraße

Kahlhieb an der Lemsahler Landstraße

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Ende Juni wurde auf einer rund 1,5 ha großen Waldfläche östlich der Lemsahler Landstraße ein umfassender Kahlhieb innerhalb der Nist- und Brutsaison vorgenommen. Viele Anwohner meldeten sich daraufhin bei den Fraktionen, der Umweltbehörde oder dem Bezirksamt. Auch die Grüne Fraktion Wandsbek hat sich vor Ort ein Bild vom Umfang der Fällungen gemacht.

„Nach bisherigem Stand liegt für die Fällungen weder ein Antrag noch eine Genehmigung vor. Da keine Genehmigung vorliegt, ist zu befürchten, dass auch keine Überprüfung der Nist- und Brutgegebenheiten stattgefunden hat“, so die Wandsbeker GRÜNEN. „Wir stimmen mit der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) als zuständige Behörde darin überein, dass in Abhängigkeit des vor Ort festgestellten Eingriffs die Waldflächen in jedem Falle wiederaufzuforsten sind und dazu auch rechtliche Schritte geprüft werden müssen. Hierzu wird zunächst von den Eigentümern eine Stellungnahme eingefordert. Der Schutz, der Erhalt und die Pflege der Natur-Räume in unserer Stadt spielen für uns eine zentrale Rolle.“

Der verantwortungsvolle Umgang und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und Waldflächen sei essentiell für eine gutes Stadtklima und den Artenschutz in unserer Stadt. „Wir erwarten daher von Eigentümern, dass Fällungen nur nach Genehmigung und unter Einhaltung der Waldgesetze und behördlicher Auflagen erfolgen.“

Julia Chiandone, Fraktionsvorsitzende: „Das Ausmaß der Fällungen in Lemsahl ist erschreckend. Wir erwarten von den Eigentümern, dass sie konstruktiv mit der Fachbehörde zusammenarbeiten und schnellstmöglich mit der standortgerechten Wiederaufforstung beginnen.“

Jan-Hendrik Blumenthal, Fachsprecher Stadtplanung: „Wir erteilen möglichen Absichten, die Fläche durch die Baumfällungen für eine Bebauung nutzbar zu machen eine klare Absage. Es handelt sich um Außengebiet und eine ausgewiesene Waldfläche im Freiraumverbund. Eine Bebauung wird es mit uns nicht geben.“

Auch Dennis Thering, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, ist vom Ausmaß der  Rodung entsetzt. „Ich wollte es kaum glauben, als ich von zahlreichen Anwohnern hörte, dass eine Vielzahl an Bäumen an der Lemsahler Straße zwischen Fiersbarg und Bökenbarg von einem Tag auf den anderen verschwunden sind. Mit einer Anfrage an den Senat habe ich nun um Aufklärung des Sachverhalts gebeten und ich bin entsetzt, dass rund 1,5 Hektar Wald entlang der Lemsahler Landstraße offensichtlich ohne Genehmigung einfach gerodet wurden. Der schöne Fichtenwald wurde damit weiträumig vernichtet. Und klar ist, diese Rodung kann natürlich nicht folgenlos bleiben. Neben einer eventuellen Geldstrafe für die Verursacher muss der Fichtenwald auf jeden Fall auf deren Kosten umgehend wieder aufgeforstet werden.“

Zusammen mit seinem Kollegen Thilo Kleibauer hat der Hummelsbüttler am  02.07. eine ‚Schriftliche Kleine Anfrage‘ an den Hamburger Senat gerichtet. In der Antwort acht Tage später wird deutlich, dass zwar ein Antrag auf die Fällung einiger vom Borkenkäfer befallener Fichten auf einem der betroffenen Flurstücke gestellt wurde, der aber nicht genehmigt wurde.  In einem Telefonat habe die zuständige Behörde des Eigentümer auf die Rechtslage hingewiesen, so die Stadt in der Antwort. Ein Angebot der Fachbehörde zu einer gemeinsamen Ortsbesichtigung habe der Eigentümer abgelehnt. Die trotzdem durchgeführte Fällung war demnach unzulässig, so die Stadt weiter.

Auf die Frage Therings, ob der Fachbehörde Erkenntnisse über weitere Planungen  bezüglich des  Grundstückes vorlägen heißt es, dass das nicht der Fall sei. Rechtlichscheint die Sache aber klar: „Eine kahlgeschlagene Fläche bleibt Wald im Sinne des Landeswaldgesetzes. Waldbesitzer sind nach § 6 Absatz 1a des Landeswaldgesetzes verpflichtet, verlichtete oder kahl geschlagene Waldflächen in angemessener Frist wieder aufzuforsten oder zu ergänzen, soweit die natürliche Bestockung unvollständig bleibt.“

Hintergrund laut den Grünen:

„Der Kahlhieb auf der Fläche an der Lemsahler Landstraße wurde ohne Antrag und Genehmigung und damit ohne Auflagen durchgeführt. Neben der Ausweisung als Wald liegt die Fläche im Landschaftsschutzgebiet und ist Teil des Freiraumverbundes und dort als Landwirtschaftliche Naturlandschaft ausgewiesen. Als Ergebnis der Rot-Grünen Koalitionsverhandlungen auf Landesebene, wird die Forstabteilung aus der Wirtschaftsbehörde jetzt Teil der Umweltbehörde mit ihrer Abteilung für Naturschutz. Die Zusammenarbeit zwischen Waldbewirtschaftung und Naturschutz wird dadurch sehr viel enger sein. Dies schließt ungenehmigten Rodungen wie in Lemsahl nicht für alle Zeit aus. Die BUKEA wird die Vorgänge durch die fachliche Bündelung aber sehr viel besser überwachen können.“

Foto oben: Wandbeker Grüne vor Ort bei der Begutachtung des Geländes – Julia Chiandone, Fraktionsvorsitzende und  Jan-Hendrik Blumenthal, Fachsprecher Stadtplanung. Foto: Grüne Wandsbek

 


 

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