Mittwoch, 12. August 2020
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Natur vor der Tür ist in

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Seit Jahren gibt es eine Rückbesinnung auf natürliche Ressourcen. Am liebsten aus der Region. Noch beliebter: Obst und Gemüse aus dem Eigenanbau und selbstgezogene Kräuter. Kräuter gibt es bekanntermaßen auch jenseits des Gartens. Passend dazu stellt Chefredakteur Kai Wehl Ihnen das Buch „Der Wildkräutersammler“ vor. Der Untertitel „Essbare Pflanzen am Wegesrand“ sagt schon alles.

Wenn es bei einem Spaziergang am Wald leicht nach Knoblauch riecht, ist den meisten Menschen klar, hier wächst höchtswahrscheinlich Bärlauch. Pesto daraus ist ein Klassiker, auch in der Haute Cuisine und jeder von uns hat es sicherlich schon probiert. Es lassen sich aber noch viel mehr wildwachsende Pflanzen aus der Natur für die Küche nutzen, an die man nicht sofort denkt. Der französische Naturheilkundler Christophe de Hody kennt sich in diesem Gebiet besser aus, als die meisten Menschen. Sein Wissen vermittelt er auf Führungen in Paris und seit kurzem eben auch in dem wunderschön von Julie Terrazzoni illustrierten Buch „Der Wildkräutersammler“, das im Knesebeck Verlag erschienen ist.

Seit Jahrzehten findet Bärlauch (Allium ursinum) in der Küche Verwendung, meist als Pesto. Nur eine von 35 wilden Pflanzen, die der Franzose Christophe de Hody in seinem Buch beschreibt. © Julie Terrazzoni/Knesebeck Verlag

Nach dem Vorwort – beschrieben wird eine Kräuterwanderung in Paris – gibt es nützliche Hinweise, etwa wie Kräuter haltbar gemacht werden können, und dann kommt mit der Gemeinen Schafgarbe schon schnell die erste Pflanze. Eine von 35. Neben einer schönen Illustration gibt es zu jeder Wissenswertes und Tipps, wie und woran man sie erkennt und wofür das Grünzeug – darunter übrigens auch das von Bäumen wie Eiche oder Linde – genutzt werden kann. Egal ob zum Würzen oder Heilen. Den Abschluss bildet stets ein Rezept – von Schlehen-Umeboshi (in Salz eingelegte Ume-Früchte) über cremiges Malvengemüse bis hin zu Tee von der Weißen Taubnessel. Wirklich spannend, was da alles so geht. Beispielhaft nennen wir hier einmal ein Rezept für Holunderblütensirup. Das passt gut, denn Blütezeit ist im Juni/Juli.

Eine der beliebtesten Bäume bei uns im Norden, dessen Blüten und Früchte man aus der freien Natur nutzen kann ist sicherlich der Schwarze Holunder (Sambucus nigra). Wächst übrigens ja auch prima im Garten. © Julie Terrazzoni/Knesebeck Verlag

Holunderblütensirup

12 Holunderblütenrispen – 1 l Wasser – 1,7 kg Rohzucker – 1 unbehandelte Zitrone

Wasser aufkochen; die von den Blütenstielen befreiten Schirmrispen und die in Stücke geschnittene Zitrone hineingeben. 15 Minuten ziehen lassen. Abseihen. Zucker zugeben und 10 Minuten leicht köcheln. Heiß in sterilisierte Flaschen abfüllen. Nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und bald verbrauchen. Der Geschmack erinnert zart ab Vanille und Litschi. Dieser Sirup kann auch gegen Bronchitis verabreicht werden.

Achtung: das Laub und die Blütenstiele des Holunders enthalten Blausäure, so der Botaniker Paul-Victor Fournier. Nicht mit dem Attich oder Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus) verwechseln, dessen Früchte giftig sind! Bei diesem fehlen verholzte Triebe, denn es handelt sich um eine Staude. Allerdings sollte der Verzehr roher Früchte des Schwarzen Holunders ebenso vermieden werden.

 

Der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata) wird schon lange vom Menschen genutzt. Laut Autor ist er einer der 13 heiligen Bäume der Druiden, denn unter ihm sollen sich Geister versammelt haben. Heutzutage beliebt: Weißdorntee, der gegen innere Unruhe helfen kann. © Julie Terrazzoni/Knesebeck Verlag

Fazit: Das Buch ist dank seiner gelungenen Illustrationen gut anzushauen und bietet viele Informationen zu Wildpflanzen. Hätten Sie beispielsweise gewusst, dass man die Große Klette (Arctium lappa) dazu nutzen kann, aus ihren Schäften und Wurzeln in bestimmten Wachstumsphasen geschnittenes Gemüse werden kann? ich nicht. Man wird einige Pflanzen nach dem Lesen des Buches mit anderen Augen sehen. Lesenswert!

Christophe de Hody, Julie Terrazzoni, Der Wildkräutersammler – Essbare Pflanzen am Wegesrand, übersetzt von Claudia Arlinghaus, Knesebeck Verlag, 18.0 x 24.0 cm, gebunden, 164 Seiten mit 70 farbigen Abbildungen, 22 Euro

 

 


 

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