Die schwankende Burg

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1882
Die Suche nach einer nachhaltigen Lösung zur Zukunft der Henneberg Burg in Poppenbüttel ist bis heute ungelöst. Von Wolfgang E. Buss.

Am 3. September 1989 – ja, das ist lange her – feierten die Alstertaler genau am Fuße dieser Burg Henneberg ein großes „Alsterschiffer-Fest“. Sogar der Volkssänger Hannes Wader kam und sang zu dem regionalen Kulturfestival. Zu dieser Zeit war die Burg, die der schwerreiche Gutsbesitzer Albrecht Henneberg bereits 1887 erbauen ließ, zu einer Ruine verfallen. Und bereits damals war sich die Politik uneins: Sollte man die damalige Burg-Ruine retten – oder besser mit einem „Bulldozer in die Alster schieben“? Der Grund des Streites: Große Teile der damals mächtigen Hamburger SPD wollten das Burg-Erbe der Hennebergs nicht erhalten. Zu sehr waren ihnen die Geschichten um den – den Nationalsozialisten nahe stehenden – Gutsherrn noch im Kopf. Ferner fiel der Erbe, Otto Albert Adolph Hermann Henneberg-Poppenbüttel, wie er sich offiziell nennen durfte, durch sein patriarchisches Auftreten in Gutsherren-Manier in SPD-dominierten Amtsstuben auf. Und: saß für den politischen Gegner der CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft.

1887 vom schwerreichen Gutsbesitzer Albert Henneberg gebaut, war die Burg jahrelang eine Ruine, in denen die Alstertaler Kinder unerlaubter Weise Versteck spielten. Erst durch privates Engagement konnte die Ruine restauriert werden. © Camnatic

So bot die verfallene Burg eine gute Gelegenheit für die Hamburger Genossen, nach dem Tod Henneberg-Poppenbüttels 1986, sich noch einmal politisch zu revanchieren. Der hatte die Ruine, nach dem er sie niemals selbst renovieren ließ, der Stadt „geschenkt“.
Die Burg sei unhistorisch, eine Albernheit des schwerreichen Gutsbesitzers gewesen und als kulturhistorische „Kasperbude“ nicht erhaltenswert, so die Stimmen gegen die Renovierung mit öffentlichen Mitteln.

Ich selbst durfte damals das „Alsterschiffer-Fest“ gestalten und die Podiumsdiskussion leiten, in der es genau um die Zukunft der Burg ging – mit den genannten Argumenten.

Über einige Umwege – und dank engagierter FDP-Kommunalpolitiker – fand sich ein privater Investor, der die Burg erwarb und sie mit eigenen Mitteln instantsetzte. Ein Kompromiss war erreicht: Keine öffentlichen Mittel für das Kuriosum – dem Käufer allerdings wurden strenge Auflagen gemacht, zum Beispiel keine kommerzielle Nutzung gestattet.

Die Burg ging dann, nach der Insolvenz des „Burgensammlers“, an einen neuen Besitzer. Ein Hamburger Anwalt hatte Freude daran gewonnen. Doch auch den verließ irgendwann die Lust am Leben als Burgherr. Denn: Wohnen durfte auch er dort nicht.
Die Burg war also wieder herrenlos, bis sich die junge Familie Hager entschied, Leben in das Schlösschen zu bringen. Sie erwarb das Anwesen und damit ebenfalls die strikten Auflagen, keiner kommerziellen Nutzung, keinerlei bauliche Veränderungen und kein Recht, dort zu wohnen.

Die zwei Kultur-Enthusiasten fanden einen Schleichweg: Als „Stiftung“ konnte die Burg „Spenden“ entgegennehmen. Also „spenden“ jene Menschen, die die Burg auch zum Beispiel für Hochzeiten nutzen, bezahlen dürfen sie ja nicht. Doch dieser Zustand ist zwiespältig und muss verändert werden. Aber wie?

Seit bereits vier Jahren schon zieht sich eine Einigung hin. Und viele fragen sich, was daran so schwierig sei, eine neue Nutzungsverordnung zu vereinbaren. Parallel dazu schießen Vermutungen ins Kraut. So ist zu hören, die Rot-Grüne Politik habe gar kein Interesse daran, dem aus Steuermitteln geförderten und nur wenige 100 Meter entfernten Sasel-Haus „kulturelle Konkurrenz“ entstehen zu lassen. Es könnte dann heißen: Die rein privat organisierte und finanzierte Burg-Kultur ist attraktiver gemacht als jene, die am Tropf der Steuerzahler hängt. Ferner könnte sein, dass Rot-Grün einwendet, die neuen Burg-Eigentümer wussten doch, was sie beim Kauf unterschrieben. Und diese Verträge wollen sie nicht einfach nach dem „Wünsch-Dir-Was Prinzip“ anpassen. Und, die Sorge manch roter Socken, die Burg könnte dann an Wert gewinnen, und das soll verhindert werden.

Dennis Thering, Ur-Alstertaler und Chef der CDU-Fraktion im Hamburger Rathaus zur schwankenden Burg: „SPD und GRÜNE müssen sich endlich einigen, wie es weitergehen soll. Die ewige Hängepartie ist nicht würdig für die Stadt. Ich finde es beeindruckend, was das Ehepaar Hager für die Kultur ohne einem Euro Zuschuss aus dem Kulturetat leistet und die kulturelle Erlebniswelt im Alstertal bereichert“. Und er fügt hinzu, dass er es schade finden würde, wenn sich das Ehepaar wieder zurückzöge. Denn das könnte passieren. Haben die beiden bereits ein zweites „Schlösschen“ in Mecklenburg-Vorpommern erworben. Wenn die Hamburger Politik nun nicht zügig entscheidet, würden sie sich mit ihren Aktivitäten dorthin zurückziehen, so Miriam Hager im Gespräch. Das politische Beharren auf dem einmal geschlossenen Kaufvertrag – in denen ihnen klar untersagt wurde – die Burg kommerziell zu nutzen, sei in einer dynamischen und sich stark verändernden Welt nicht mehr zeitgemäß.

Auch die FDP im Alstertal meldet sich zu Wort. Finn Ole Ritter, stv. Kreisvorsitzender der FDP: „Das Problem ist seit vier Jahren bekannt und adressiert. Doch das Bezirksamt Wandsbek, die Finanzbehörde vertreten durch das Landesamt für Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) und andere Gremien üben sich im nichts tun und nicht entscheiden. Wir fordern die Bezirksverwaltung und das LIG auf, endlich das Problem einer einvernehmlichen und für alle akzeptablen Lösung zuzuführen. Eine vierjährige Hängepartie kommt der Rechtsverweigerung nahe.“

Das ALSTERTAL MAGAZIN hat bereits früh erkannt, welches Potential dieses private Engagement entfalten kann. Wir als Magazin waren Mitveranstalter schöner Events auf der Burg und im Burggarten. Der Autor dieses Artikels und das ALSTERTAL MAGAZIN appellieren daher an die verantwortlichen Akteure, privatem Engagement in dieser Stadt wieder den Raum zu geben, den es braucht, um kreativ für die Stadt aktiv zu werden.

Macht auch im Winter eine gute Figur: die Henneberg Burg, in der und um die herum eine private Stiftung anspruchsvolle Kulturveranstaltungen etabliert hat. Wird es die auch noch in Zukunft geben? Antwort offen. © bei diesem 4 weiteren Fotos: Magazin Verlag Hamburg