Mittwoch, 3. März 2021
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    Tun Sie es!

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    Die Harvestehuder Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy spricht mit uns über ihre neuen Romanthemen, die furchterregende Pandemie und warum sie uns allen rät, sofort selbst mit dem Schreiben anzufangen.

    Die Themen und Fragen in Ihren Büchern haben sich mit Ihnen geändert – in „Es wird Zeit“ geht es um Bilanz und Aufbruch, aber auch Krankheit und Tod. Wie machen das Ihre LeserInnen mit?


    Ildikó von Kürthy:
    Es war für mich tatsächlich eine grundlegende, gewagte, aber letztlich zwingende Entscheidung, mich in meinem neuen Roman diesen Themen zuzuwenden. Zwingend war sie, weil Abschied und Tod natürlich auch in meinem älterwerdenden Leben eine zunehmende Rolle spielen. Und da ich von Beginn an über das geschrieben habe, was mich bewegt, belastet oder auch beglückt, war die Zeit dafür gekommen. Ich war sehr gespannt, um nicht zu sagen nervös, ob meine Leserinnen diese Hinwendung zu schwereren Stoffen mitmachen würden. Das haben sie. Und nicht nur das. „Es wird Zeit“ ist mein erfolgreichstes Buch. Ich glaube, es hat viele Frauen direkt ins Herz getroffen und ihnen aus dem Herz gesprochen. Wie gehen wir um mit den Abschieden, die uns das Leben abverlangt, wie finden wir eine Haltung gegenüber dem Älterwerden, wie gelingt das Loslassen und welche neuen Wege eröffnen sich? Das sind Themen, die alle Frauen bewegen und es tut gut zu wissen: Du bist damit nicht allein.

    Die Welt befindet sich in einer besonderen Lage. Pandemie, Wirtschaftseinbußen, Einsamkeit, Zukunftsängste … Wie kommen Sie durch diese Zeit?

    Natürlich empfinde ich die Pandemie als furchterregend und sehe mit Schrecken, wieviel Leben und Existenzen sie kostet. Die Sorgen, die ich habe, mache ich mir hauptsächlich um andere. Ich lebe sehr privilegiert, habe genug Platz, einen kleinen Garten, einen Mann der sich zu Hause mit mir um Kinder, Küche, Alltag kümmert und ich muss keine existenzielle Not fürchten. Es steht mir also in keiner Weise zu, meine persönliche Situation zu beklagen und ich weise mich regelmäßig selbst in die Schranken, wenn ich mich dabei ertappe. Wenn ich in innere Panik gerate, lese ich ein vertrautes Buch oder mache die Wäsche. Das hilft.

    Zum Schreiben, Bilanzziehen, Insichgehen fordern Sie auch mit dem im Dezember erschienenen Tagebuch auf. Was gibt das Schreiben Ihnen, was Sie Ihren LeserInnen weitergeben wollen?

    Schreiben ist ein wahrer Segen. Für jede und jeden. Man muss es nicht können, man muss nicht gut und auch nicht richtig schreiben. Man muss es einfach tun und sich von den eigenen Formulierungen in ungeahnte Weiten tragen lassen. Schreiben erschließt Winkel, Tiefen und Höhen der eigenen Persönlichkeit, auf die man sonst nie gestoßen wäre. Es ist wie ein Weg, der sich erst durch Buchstaben erschließt. Ich selbst bin immer wieder erstaunt und dankbar, welche verborgenen Welten sich in mir auftuen, wenn ich mich erst dazu überwunden habe, mich an die schriftliche Formulierung dessen zu wagen, was bis dahin nur als unförmige Gedankenmasse in mir herumschwappt. Tun Sie es. Am besten jetzt gleich. Es wird Ihr Leben verändern. Versprochen.

    Auf Ihrer Website geben Sie Ihrem Publikum zusätzlich zur Gelegenheit zum Schreiben auch noch Podcasts, Meditation und Musik an die Hand. Wie hat sich das entwickelt? Was sollen die BesucherInnen aus diesem Angebot ziehen?

    Ich habe durch meinen Roman „Es wird Zeit“ so viele Frauen erreicht, sie bewegt und ihnen und mir das Gefühl gegeben, dass wir eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten sind. Und dieses Gemeinschaftsgefühl möchte ich weiter transportieren über verschiedenste Kanäle. Der Sammelpunkt ist meine Homepage eswirdzeit.de Hier kann man selbst Beiträge verfassen, sich inspirieren lassen, in Kontakt treten, genauso auf meinen Social-Media-Kanälen. In meinem Podcast „Frauenstimmen“ verfolge ich denselben Zweck: Frauen zu stärken, zu beflügeln und auch zu trösten. Das sind ermutigende Gespräche mit mutigen Frauen wie Maria Furtwängler, Meike Winnemuth oder Doris Dörrie. Zutiefst menschliche und warmherzige Frauen, die sich und anderen nichts vormachen, die zu ihren Schwächen stehen und freigiebig ihre Erkenntnisse teilen. Ich habe selbst so sehr profitiert von der Arbeit an „Es wird Zeit“ und von jeder einzelnen Begegnung – das kann ich unmöglich für mich behalten.

    “Es wird Zeit – Das Tagebuch zum Klagen, Lachen, Klügerwerden” von Ildikó von Kürthy ist bei Rowohlt Taschenbuch erschienen, hat 240 Seiten und kostet 18 Euro. Mehr zur Autorin auf ildikovonkuerthy.de und eswirdzeit.de

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