Freitag, 30. September 2022
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    Unter den besten Sechs

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    Der Poppenbütteler Sebastian Wenderdel hat bei der Deutschen Meisterschaft der Hobbybrauer 2021 sensationell das Finale erreicht. Zum Sieg reichte es zwar nicht, aber der 39-Jährige ist unter den Top 6 von 180 Teilnehmern. Respekt!

    Ich habe in meinem Schrebergarten eine kleine Hopfenpflanze und wollte immer schon einmal wissen, ob man daraus Bier brauen kann. Jetzt weiß ich es. Theoretisch ja, denn der Hobbybrauer Sebastian Wenderdel hat Hopfen im Garten, der genau so aussieht wie meiner. Nur, dass es bei ihm mehr ist und er das Wissen hat, ihn zu verwerten. Seit 2014 hat sich der Betriebswirt dem Self-Made-Bier verschrieben und ist damit in guter Gesellschaft. Das Hobby boomt seit Jahren. Aber ich schätze, so viel Hopfen wie er hat kaum jemand im eigenen Garten.

    Hopfen aus Poppenbüttel: Aus dem Hopfen in seinem Garten kann Sebastian Wenderdel feine Biere „im deutschen Stil“ brauen – Pils und Bockbiere. Und das beste dabei, dekorativ ist die Pflanze auch.

    „Ich habe mir vor Jahren eine Pflanze in den Garten geholt. Sie sieht echt gut aus, weil sie dekorativ ist und ich kann jeden Herbst ernten. Es kommen rund 600 bis 700 Gramm getrockneter Hopfen dabei raus. Eine ganz klassische Sorte, die sich gut für Pils oder Bockbier eignet, wie die meisten Deutschen es lieben“, erklärt der Poppenbüttler lächelnd. Da er aber viele Geschmacksrichtungen kreieren möchte, vor allem so fruchtige Sachen wie Pale Ale oder IPAs, brauche man schon Vielfalt, meist klassische, amerikanische Aromahopfen.
    „Ich feile gerne an den Rezepten herum, probiere das gleiche Bier mit mal mehr, mal weniger Hopfen – ich hätte ich nie gedacht, dass das so eine große Spielwiese ist, mit vielen Stellschrauben. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.“ Da einige seiner Ergebnisse dabei extrem gut waren, habe er schon länger mit dem Gedanken gespielt, bei einem Wettbewerb anzutreten. Im Frühjahr hat er bei Maisel mitgemacht. Wettbewerbsziel war ein IPA. Obwohl es seine favorisierte Biersorte ist und Sebastian seiner Meinung nach „ein ganz gutes Rezept weiterentwickelt hatte“, landete er auf Platz 58 bei 150 Teilnehmern. „Das kann ja wohl nicht alles gewesen sein, dachte ich sofort. Als Störtebeker dann später in diesem Jahr eine Hopfenweisse als Wettbewerbsbier ausgerufen hat, habe ich beschlossen, mitzumachen.“ Denn ein IPA sei nicht so weit von der Hopfenweisse entfernt.

    Das Finale der Deutschen Meisterschaft der Hobbybrauer bei Störtebeker in Stralsund war für den Poppenbüttler ein Fest – er kam unter die besten 6 von 180 Teilnehmern, konnte viele kreative Bierstile probieren und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Aus diesem Grund will der 39-Jährige auch 2022 wieder am Start sein.

    „Ein vollmundiges Weizenbier mit kräftigen Weißbiernoten, einer fruchtig-blumigen Hopfenaromatik und harmonischer Bittere“, nannte Störtebeker den zu kreierenden Bierstil in der Ausschreibung. Das Bier, das Sebastian Wenderdel dann in Richtung Wettbewerb gebraut hat, kam seiner Auffassung nach diesen Anforderungen sehr gut entgegen. Das fanden die Juroren auch, denn „ich habe das Bier eingereicht und war dann echt überrascht, als die anriefen und sagten, du bist im Finale unter den besten sechs. Damit habe ich nicht gerechnet.“ Die Preisverleihung in Stralsund war für den Poppenbütteler ein echtes Highlight. „Es waren ja 180 Teilnehmer und so viele Hobbybierbrauer und Hobbybrauerinnen habe ich zuvor noch nie getroffen. Man konnte sich extrem gut austauschen und das Schöne war, dass parallel zur Deutschen Meisterschaft ein Kreativwettbewerb lief. Die Teilnehmer haben vor Ort ihr Bier ausgeschenkt und so konnte ich unglaublich abgefahrene Biere trinken. Unfassbare Kreationen. Ich möchte unbedingt im kommenden Jahr wieder dabei sein. Der zu brauende Bierstil steht noch nicht fest. Das ist mir aber auch egal, denn es macht mir Spaß, Neues auszuprobieren.“ Eines wird er aber wohl nicht ausprobieren: professionell Bier zu brauen. „Durch meinen Job, unsere Firma stellt Maschinen für die Getränkeindustrie her, habe ich guten Einblick in die Branche und weiß, wie schwer es ist, darin Fuß zu fassen. Es läuft nur über die Menge, das Marketing und eine gute Logistik. Und die Nische Craft Bier haben die großen Player schon längst besetzt. Mir reicht es, eine Biersorte pro Monat zu brauen und dabei herumzuexperimentieren. Wenn die dann Familie und Freunden schmeckt, ist das Anreiz genug.“ Kai Wehl

    Fotos: © Gabriela de Wenderdel Fotografie

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    Kai Wehl
    Chefredakteur von Alster und Alstertal Magazin
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