Freitag, 9. Dezember 2022
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    Naziverbrechen: Marion Elskis spielt Irmgard Litten

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    Eine Mutter kämpft um das Leben ihres Sohnes. Der sitzt ohne Prozess fünf Jahre in zwei Gefängnissen, einem Arbeitslager und vier Konzentrationslagern. In Dachau, durch schwere körperliche Arbeit und Folterungen gezeichnet, erhängt er sich 1938. Name: Hans Litten. Um an ihn zu erinnern, hat die Poppenbüttler Schauspielerin Marion Elskis ein Theaterstück wiederaufgeführt.

    Wir schreiben das Jahr 1931: Vor dem Schwurgericht Berlin-Moabit geht es um den Überfall der SA auf den Arbeiter- und Geselligkeitsverein Wanderfalke im Edenpalast. Im Prozess ist als Armenanwalt und Nebenklägervertreter auch Hans Litten dabei. Obwohl erst 28 Jahre alt war er laut SZ „sehr brillant und ein Mann von nicht einzuschüchterndem Gerechtigkeitssinn.“ Er ließ Adolf Hitler als Zeugen vorladen, um zu beweisen, dass die NSDAP den SA-Terror billigt und sogar ausdrücklich anordnet. In der Befragung deckte Litten laut SZ „Widerspruch um Widerspruch der Aussagen auf, trieb den Zeugen mit seinen eigenen Aussagen in die Enge. Hitler geriet in Bedrängnis, verlor seine Selbstsicherheit, wurde nervös, die Staatsmann-Attitüde zerbrach. Litten bohrte nach, Hitler begann mit hochrotem Kopf zu brüllen“.

    Diese Demütigung verzieh Hitler Hans Litten nie. Gleich nach der Machtübernahme 19933 ließ Hitler den jungen Anwalt ohne Prozess in Schutzhaft nehmen. Er wird gefoltert und gedemütigt. Es geht um Leben und Tod. Das weiß auch seine Mutter Irmgard Litten. Sie kämpft energisch um seine Freilassung. Ohne Erfolg, Litten erhängt sich 1938 im KZ Dachau.

    Marion Elskis als Irmgard Litten, die Mutter von Hans Litten (Philip Heimke) im Stück „Der Prozess des Hans Litten“. Inhalt: Weil er als junger Anwalt den Mut hatte, Adolf Hitler in den Zeugestand zu laden und ihn dort des Lügens überführte, ließ der ihn 1933 verhaften. Nach 5 Jahren voller Folterungen und Demütigungen erhängte sich Litten im KZ Dachau. Verzweifelt hatte seine Mutter erfolglos um sein Leben gekämpft. © privat

    Seine und ihre Leidensgeschichte hat Irmgard Litten in dem Buch „Eine Mutter kämpft gegen Hitler“ aufgeschrieben. Der Brite Mark Hayhurst hat auf dieser Grundlage das preisgekrönte Theaterstück „Der Prozess des Hans Litten“ geschrieben, das 2014 in England uraufgeführt und später in Nürnberg gespielt wurde, dann aber in Vergessenheit geraten ist. Bis Marion Elskis es vor gut sechs Jahren gelesen hat. „Ich musste die ganze Zeit schlucken und weinen und hatte Gänsehaut. Dieses Stück muss unbedingt wieder auf die Bühne“, fand die Poppenbüttlerin und wollte es sofort umsetzen. Es klappte aber nicht. „Wir haben sechs Jahre an der Umsetzung gearbeitet, denn die Förderung dieses Projektes, war sehr schwierig und aufwendig.“

    Dabei sei die Geschichte von Hans Litten aktueller denn je. „Es geht darum, an diesen mutigen Anwalt, der im Kampf für Demokratie und Meinungsfreiheit starb, zu erinnern, um zu zeigen, was passiert, wenn man sich nicht gegen rechtes Gedankengut oder korrupte Regierungen wehrt. Der Rechtspopulismus wird in Europa immer stärker und wir müssen für die Demokratie kämpfen und Gewalt, Hass, Antisemitismus und undemokratische Strömungen stoppen.“

    Umso glücklicher ist die Schauspielerin, dass es in diesem Jahr geklappt hat. Sie konnte das Stück gemeinsam mit dem Regisseur Marcus Kaloff und der Pauken & Poeten Kulturentwicklungsgesellschaft sowie mit Förderung des Landes Sachsen-Anhalt als Neuinszenierung realisieren. Zum Schluss gab es sogar noch eine unverhoffte große Spende der Körber-Stiftung. Gespielt wird an den Orten, an denen das Unrecht geschah. So fand die Premiere in der Schlosskirche St. Anna des KZs Lichtenburg statt. „Nur gut 300 Meter von der Zelle entfernt, in der Litten von den Nazis gefoltert wurde. Das war krass, aber ich hatte das Gefühl, dass er zuguckt und sagt ‚Es ist gut, dass ihr das spielt und so meine und die Geschichte meiner Mutter erzählt, die um mein Leben gekämpft hat.‘“ Das fand das Publikum auch, es gab Standing Ovations und viele Tränen. Hoffentlich bald auch in Hamburg, Kontakte gab es schon. „Das Stück gehört in jede Stadt“, findet Marion Elskis.

    Aufmacherfoto: Die Poppenbütteler Schauspielerin Marion Elskis. © Jan Stapelfeldt

    HIER gibt es umfassende Informationen zu Hans Litten vom Deutschen Anwaltsverein.

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    Kai Wehl
    Chefredakteur von Alster und Alstertal Magazin
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