Ein Traum wird wahr

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Hamburg feiert seinen Tennishelden! Alexander Zverev gewinnt als erster Deutscher seit Michael Stich 1993 das traditionsreichste deutsche Tennisturnier.

Es war genau 17:02 Uhr am gestrigen Sonntagnachmittag, als Alexander Zverev nach einem Fehler seines Gegners Laslo Djere auf dem Center Court des Hamburger Rothenbaums auf die Knie sank. Gerade hatte sich der 26-Jährige mit einem 7:5, und 6:3-Finalerfolg den Turniersieg bei seinem Heimturnier gesichert und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. Zverev hat damit als erster Deutscher seit Michael Stich 1993 das bereits seit 1892 existierende Turnier in der Hansestadt gewonnen.

„Das war ein sehr emotionaler Moment. Ich habe an meine Schulzeit gedacht und daran, wie alles angefangen hat. Dort zu gewinnen, wo alles begonnen hat, bedeutet sehr viel. Und gerade nach den letzten zwölf bis 16 Monaten ist es nochmal etwas Besonderes. Es bedeutet mir viel mehr als ein normales ATP-Turnier“, bilanzierte der gebürtige Hamburger nach dem 20. Turniersieg seiner Karriere, es war der erste nach seinem Comeback und dem Triumph bei den NITTO ATP Finals 2021. Zverev spielte eine annähernd perfekte Woche, hielt auch den unterschiedlichsten Witterungsbedingungen stand und gab auf dem Weg zu diesem Erfolg keinen einzigen Satz ab.

Schon beim Einlaufen auf den Center Court wurde Alexander Zverev von den 10.000 Zuschauer*innen in der ausverkauften Arena am Rothenbaum frenetisch bejubelt. Zu sehen bekamen sie ein hochklassiges und ausgeglichenes Finale, in dem nicht nur die deutsche Nummer eins, sondern auch Laslo Djere eine starke Leistung auf den Platz brachte. Zverev brauchte nicht nur seinen starken Aufschlag, sondern auch die nötige Geduld. So musste er im neunten Spiel vier Breakmöglichkeiten abwehren, schlug dann aber in der entscheidenden Phase selbst zu und verwandelte mit einem perfekten Lob seinen zweiten Satzball. Im zweiten Durchgang schien Zverev nach einem Break zum 3:1 schon auf der Siegerstraße, musste dann aber nochmal seinen Aufschlag abgeben. Allerdings konnte er das Missgeschick mit einem neuerlichen Break im achten Spiel schnell korrigieren, verwandelte nach 1:50 Stunden seinen ersten Matchball und versetzte das Stadion in einen kollektiven Freudentaumel.

Durch den Titelgewinn an der Elbe erspielte sich Zverev ein Preisgeld von 342.500 Euro und 500 Weltranglistenpunkte. In der Jahreswertung, dem „Race to Turin“ ist er auf Platz neun vorgerückt und hat somit seine Chancen, beim Finalturnier der besten acht Spieler dieses Jahres dabei zu sein, deutlich erhöht. „Das ist schon ein großes Ziel für mich. Ich habe erst in den letzten paar Monaten angefangen, richtig zu punkten. Hoffentlich kann ich so weitermachen“, sagte Zverev, der am Sonntagabend aber zunächst mal den Triumph in seiner Heimat mit Familie und Freundinnen auskosten wollte. Schließlich erfüllt man sich nicht jeden Tag einen Kindheitstraum.


Aufmacherbild © European Open/ Alexander Scheuber