Jens Wawrczeck in „Drei Dystopien”

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„Früher war alles besser!” – In den drei Dystopien von Huxley, Orwell und Kling, die Jens Wawrczeck, Gustav Peter Wöhler und Volker Hanisch am 09. März um 18 Uhr im Torhaus Wellingsbüttel auf die Bühne bringen, stimmt das definitiv. Wir wollten mehr wissen und sprachen mit Jens Wawrczeck über die literarische Collage, seine eigene Weltanschauung und mehr.

Alstertal Magazin: Am 09. März bist du Teil von „Drei Dystopien” und erzählst aus der von Marc-Uwe Kling dargestellten Dystopie „Qualityland”. Was erwartet die ZuschauerInnen an diesem Abend? Wie gestaltet ihr die Vorstellung?
Jens Wawrczeck: Gustav Peter Wöhler, Volker Hanisch und ich präsentieren eine Text-Collage aus drei Romanen: „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley, „1984“ von George Orwell und „Qualityland“ von Marc-Uwe Kling. Diese drei Romane, die aus den Jahren 1932, 1946 und 2017 stammen, hat Julia Barthe – die Vorsitzende des Wellingbüttler Torhauses – sehr geschickt und geradezu verblüffend zu einer höchst aktuellen Erzählung verwoben. Wir erleben, in welchem Ausmaß sich die Phantasien der Autoren in unserem heutigen Alltag verwirklicht haben. Es geht um Manipulation, Konsum, Überwachung und Verfälschung von Wahrheit und Geschichte.

Volker Hanisch © Hanisch
Gustav Peter Wöhler © Jeanne Degraa

Kling stellt die Zukunft in Form einer überspitzten gegenwärtigen Realität dar. Abgebildet wird eine hedonistische Spaßgesellschaft – ohne Rücksicht auf Verluste. Welche Passagen des Buches empfindest du als besonders relevant und eindringlich?
Kling hält uns einen Spiegel vor. Durch das „The-winner-takes-it-all-Prinzip“ entstehen weltweite Quasi-Monopole, denen wir uns freiwillig, ja sogar begeistert ausliefern. Alles und jeder wird öffentlich bewertet, Menschen sind in „Level“ eingeteilt, niemand entkommt den Algorithmen und das System greift in die intimsten Beziehungen ein. Das Wegfallen des letzten Schutzraumes, des Privaten, empfinde ich als besonders erschreckend.

Die ultimative Freiheit – erstrebenswert oder gefährlich? Wie viel Freiheit tut uns Menschen wirklich gut? 
Freiheit ist etwas Kostbares und ein Wert, mit dem wir verantwortungsvoll umgehen müssen. Ob ein Übermaß an Freiheit eventuell gefährlich werden könnte? Ich denke, das hängt vom einzelnen Menschen ab. Darüber können wir stundenlang mutmaßen.

Stichwort Abhängigkeit. Fühlst du dich von unserem System abhängig oder manipuliert? Es könnte ja auch als eine Art sicherer Rahmen dienen.
Wir teilen ständig Daten und Bilder. In den sozialen Netzwerken, über unsere Kundenkarten, Bankkarten, im Internet. Auch für mich als Schauspieler, der mit seinem Liveprogramm „Hitch und Ich“ durch Deutschland reist, ist es inzwischen notwendig, auf Facebook, Instagram oder ähnlichen Plattformen präsent zu sein. Da ich im Grunde überhaupt kein digitaler Mensch bin, lasse ich mich eher zähneknirschend darauf ein. Ich bin altmodisch,  benutze immer noch meinen Taschenkalender und schreibe Briefe auf Briefpapier. Mein Buch „How To Hitchcock“ habe ich komplett mit Bleistift in alte Schulhefte geschrieben – bevor ich den Text in den Computer getippt habe. Analoge Dinge geben mir ein Gefühl von Sicherheit, nicht aber IClouds oder Bitcoins.

Wann war bei dir der Punkt, an dem du die Wichtigkeit des bewussten und verantwortungsvollen Lebens verstanden hast?
Oft benötigen wir einen „Aufrüttler”, um uns die Wichtigkeit des bewussten Lebens vor Augen zu führen. Denn: Alles ist endlich. Ich versuche dieses Gefühl jedoch auch ohne Katastrophenmeldungen von außen zu integrieren und stets dankbar und mutig zu bleiben.

Welche Tools nutzt du, um den Ernst des Lebens auch mal mit Leichtigkeit zu nehmen?
Gespräche mit guten Freunden. Filme. Musik. Literatur. Durchatmen.

Was wünschst du dir für den Abend? Wie sollen die ZuschauerInnen nach „Drei Dystopien” nach Hause gehen?
Zunächst einmal hoffe ich, dass es für alle Beteiligten ein spannender, inspirierender und in jeder Hinsicht intensiver Abend wird, der sicher auch seine humorvollen Momente hat. Marc-Uwe Kling, aus dessen „Qualityland“ ich lesen werde, hat seinen Roman eine „lustige Dystopie“ oder „Dystopie zum Totlachen“ genannt. Wobei uns das Lachen oft im Halse stecken bleibt. Die Literatur, die Julia Barthe für uns ausgesucht hat, ist auf jeden Fall fesselnd. Darüber hinaus wäre es natürlich schön, wenn sich nach unserer Veranstaltung noch anregende Gespräche ergeben. Der Kulturkreis Torhaus ist ja ein Ort, wo diese Art von Austausch nicht nur möglich, sondern auch erwünscht ist.
Hanna Odenwald

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Aufmacherbild: © Christian Hartmann