Geschichte(n) aus dem Jahrbuch des Alstervereins

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Wer das Alstertal liebt, der kommt an diesem Druckerzeugnis, der 2024er Ausgabe und gleichzeitig Band 97 des Jahrbuches des Alstervereins, nicht vorbei. Wie seine 96 Vorgänger enthält das gerade erschienene Buch wieder viel Geschichte und viele Geschichten, die so noch nicht erzählt worden sind und den Lesenden die Möglichkeit geben, im Detail darin einzutauchen. 

Das neue Werk umfasst 160 Seiten, ist reich bebildert und enthält Beiträge von 12 Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. „Wir verstehen das Jahrbuch im 21. Jahrhundert in erster Linie als ein Dokument des Zeitgeschehens sowie als Publikation zur Erforschung der Regionalgeschichte. In Zeiten der Informationsflut ist es wichtiger denn je, sich kritisch mit Themen auseinanderzusetzen und fundiert darzustellen, was ‚wahr und wichtig ist‘. Dabei bemühen wir uns, die Beiträge für eine breite Leserschaft anschaulich und verständlich sowie mit der gebotenen Tiefe und Sachkenntnis darzustellen. Die Ortsbezogenheit spielt eine herausragende Rolle, denn dadurch erhält der Leser Informationen, die der historischen Standardliteratur nicht zu entnehmen sind. Hier nur ein kleiner inhaltlicher Auszug aus dem Jahrbuch“, erklärt Dr. Rainer Hoffmann. 

Hier ein Auszug der Themen:

In unserer schnelllebigen Zeit erinnern sich nur noch wenige Zeitzeugen an die damals riesige Behelfsheimsiedlung am Bahnhof Poppenbüttel. Dr. Rainer Hoffmann zeichnet in seinem Beitrag „Das Milch-, Brot-, Butter- und Fettwarengeschäft von Alfred Stripp in der Behelfsheim-Siedlung „Plattenbüttel“ einleitend das Bild eines Stadtteils, in dem Zwangsarbeit auch zum Alltag während der Jahre des nationalsozialistischen Regimes gehörte. An vielen Orten Hamburgs wurden Zwangsarbeiter/innen in der Industrie, in der Landwirtschaft und in Haushalten eingesetzt. Im Alstertal waren u.a. jüdische Frauen in einem Zwangsarbeiterlager in Sasel untergebracht. Die geschwächten und hungernden Frauen mussten Schwerstarbeit beim Bau der Plattenhaussiedlung leisten. Mehrere Lagerinsassinnen starben an Misshandlungen, Entkräftung und Krankheiten. 

Das Geschäft von Alfred Stripp in einem Doppel-Plattenhaus  in „Plattenbüttel“ am Heegbarg (1944-1947) © Jutta Stripp


Im Hauptteil des Artikels berichtet eine Verwandte des ehemaligen Geschäftsinhabers des Milchladens, Alfred Stripp, von dem Leben in „Plattenbüttel“ (so wurde gemeinhin die Plattenhaussiedlung genannt) in der Nachkriegszeit bis zum Abbruch der Siedlung in der Mitte der 1960er-Jahre, um dort das Alstertal-Einkaufs-Zentrum (AEZ) zu errichten. Der nächste Artikel desselben Autors mit dem Titel „Kindheit in der Behelfsheimsiedlung ‚Plattenbüttel‘“ schließt sich nahtlos an den vorigen an. Das Wort „Heimat“ bekam nicht nur durch den Krieg in der Ukraine eine ganz besondere Ausrichtung, sondern auch in der Schilderung von Gerhard Schüler, der sich als Jugendlicher durch die Flucht aus Hamburg vollkommen „entwurzelt“ fühlte.
Mit Ortwin Pelcs Beitrag „Der kommunistische Aufstand vom Oktober 1923 in Hummelsbüttel, Wellingsbüttel und Sasel. Eine Dokumentation“ begeben wir uns zurück in die krisenhafte Zeit der Weimarer Republik in das Jahr 1923. Die kommunistischen Parteigenossen des Alstertals beteiligten sich zwar an dem Aufstand, doch anders als in Schiffbek, Barmbek und anderen Orten in Hamburg waren im Alstertal keine Toten durch Kämpfe zu verzeichnen. 
Manfred Matschke erinnert in seinem Artikel an die zum Teil schicksalhafte Biografie seines Großvaters in der Zeit des Nationalsozialismus. Er lässt uns aber auch an der erfolgreichen Siedlertätigkeit seines Großvaters in Sasel teilhaben, die im Anfangsstadium in den 1920er-Jahren mit großen Hindernissen gepflastert war. 

Die Matschkes vor ihrer Schreberlaube aus Schlackeplatten. © PA  Manfred Matschke


Mit Hans-Peter Hacks Erinnerungen „Kindheit und Jugend in der Nachkriegszeit in Sasel“ verbleiben wir am gleichen Ort nur zwei Generationen später als im vorigen Artikel. Er beschreibt uns sein Leben in der Nachkriegszeit der 1950er-Jahre in einer alteingesessenen Saseler Familie. 
Jens-Uwe Krogmann schildert in seinem Bericht, wie er trotz großem Leid in der Familie sein Leben meisterte. Sein Vater war in russische Kriegsgefangenschaft geraten und die Mutter hoffte vergebens auf die Rückkehr ihres Ehemannes und Vaters ihrer Kinder. Wenn im Rundfunk die Rückkehr von Kriegsgefangenen am Hauptbahnhof angekündigt wurde, fuhren sie jahrelang vergebens mit der S-Bahn dorthin. 

TIPP: Das Jahrbuch gibt‘s beim Zeitschriftenhandel Peter Blau, Poppenbüttel Weg 199 und  im Alstertalmuseum, Wellingsbüttler Weg 75a, oder online auf www.alsterverein.de/Kontakt inkl. der Einzahlung von 15 € (zgl. 3€ Porto/Verpackung) auf das Vereinskonto (unter Spenden zu finden). 

Aufmacherfoto: Magdalena Stripp (l.) und Kunden im Geschäft in den 1950er Jahren. © Jutta Stripp